Pflegende Angehörige - oft am Limit der Belastbarkeit

Ungefähr rund drei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig – und nahezu drei Viertel von ihnen werden zuhause von ihren Angehörigen versorgt. Das ist eine große Verantwortung und Belastung, die oft die Grenzen des Zumutbaren überschreitet. Permanent stellen die versorgenden Familienangehörigen ihre eigenen Bedürfnisse hinter die der Pflegebedürftigen, verzichten auf Freizeit und Urlaub – das zehrt an der physischen und psychischen Gesundheit auch der Pflegenden.

Da ist beispielsweise der berufstätige Sohn, der sich plötzlich in der Verantwortung sieht, die eigenen oder die Schwiegereltern zu pflegen, oder die Ehefrau, selbst schon in ihren Achtzigern, die die Rundum-Betreuung ihres schwerkranken Mannes als ihre selbstverständliche Pflicht betrachtet. Die meisten dieser pflegenden Menschen kommen in diese Situation, ohne jemals darauf vorbereitet worden zu sein, ohne Erfahrung im Umgang mit (schwer-)kranken Menschen; schon alleine diese Tatsache lässt ahnen, wie schnell die Bereitschaft zu helfen und zu pflegen in Verzweiflung umschlagen kann, wie naheliegend die Gefahr ist, dass sowohl die Pflegenden als auch die Gepflegten Schaden nehmen können. Die emotionale Belastung ist bei der Versorgung von Angehörigen enorm und nicht zu vergleichen etwa mit der geschulter Pflegerinnen und Pfleger, die mit den zu bewältigenden Aufgaben vertraut und gefühlsmäßig, zumindest nicht in dem Maße, an ihre Patienten gebunden sind. Und auch die körperliche Belastung überfordert einen Großteil der Angehörigen – hier fehlt ebenfalls das "know how" und nicht selten mangelt es an dem erforderlichen körperlichen Leistungsvermögen.

Hilfe für die Helfenden

Pflegende Angehörige fühlen sich oft derart gebunden in ihrer Verantwortung, dass sie nicht wagen und zugeben wollen, dass sie diesbezüglich Unterstützung benötigen. Doch spätestens dann, wenn die Pflegenden körperlich und/oder seelisch leiden, muss Hilfe in Anspruch genommen werden. Da wäre zunächst der Hausarzt, der hier mit Rat zur Seite steht, oder die regionalen Pflegestützpunkte. Kurse für pflegende Angehörige bieten auch die Krankenkassen an. Pflegeunterstützungsgeld kann gegebenenfalls beantragt werden, damit berufstätige pflegende Angehörige sich bis zu zehn Tage von ihrer Tätigkeit freistellen lassen können. Auch wenn die Pflegeperson bedingt durch Krankheit, einen Kuraufenthalt oder Urlaub ihren Pflegepflichten nicht nachkommen kann, kann ein Antrag auf Verhinderungspflege gestellt werden. Gute Unterstützung können auch Betreuungsgruppen (Wohlfahrtsverbände, Alzheimer-Gesellschaften) bieten – die Angehörigen sind dadurch immerhin zeitweise entlastet.

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